HEMA- und TEGDMA-freie Komposite: Warum die Materialzusammensetzung stärker in den Fokus rückt
HEMA und TEGDMA gehören zu den Methacrylaten, die in dentalen Kunststoffen häufig eingesetzt werden und als relevante Sensibilisatoren gelten. Besonders zahnmedizinisches Personal kann durch den regelmäßigen Umgang mit nicht ausgehärteten Materialien exponiert sein. SAREMCO verzichtet nach eigenen Angaben im gesamten Sortiment auf HEMA und TEGDMA und verfolgt mit apt einen eigenen Ansatz für biokompatible Restaurationsmaterialien.
Bei restaurativen Materialien zählen klassisch Ästhetik, Haltbarkeit und Verarbeitung. Gleichzeitig rückt ein weiterer Punkt stärker in den Fokus: Was steckt eigentlich im Material, und wie verhält es sich langfristig im Mund? SAREMCO beschäftigt sich genau mit dieser Frage. Das unabhängige Schweizer Unternehmen entwickelt und produziert lichthärtende Zahnkunststoffe mit besonderem Fokus auf Biokompatibilität und Funktionalität. Zum Portfolio gehören Adhäsive, Komposite, Zemente und 3D-Druckmaterialien.
Warum Methacrylate in der Zahnmedizin ein Thema sind Methacrylate sind wichtige Bestandteile vieler dentaler Kunststoffe. Gleichzeitig sind sie als Kontaktallergene bekannt. Besonders relevant ist das für Personen, die beruflich regelmäßig mit nicht polymerisierten Materialien arbeiten.
Eine in den SAREMCO-Unterlagen zitierte belgische Auswertung von Sensibilisierungen durch (Meth-)Acrylate zwischen 1978 und 1999 ordnete einen großen Teil der Fälle der Zahnmedizin zu. Hinzu kommt, dass flüchtige Methacrylate aus dentalen Werkstoffen in die Raumluft gelangen können. Dadurch können sowohl Mitarbeitende in Zahnarztpraxen und Dentallaboren als auch Patientinnen und Patienten exponiert sein.
HEMA und TEGDMA: kleine Bausteine mit großer Relevanz HEMA und TEGDMA sind kurzkettige Methacrylate, die in dentalen Kunststoffen wichtige technische Funktionen übernehmen, etwa bei Benetzung, Viskosität und Verarbeitung. Gleichzeitig gelten sie als besonders relevante Sensibilisatoren. SAREMCO verzichtet deshalb nach eigenen Angaben gezielt auf diese beiden Stoffe.
Wichtig ist die Einordnung: HEMA- und TEGDMA-frei bedeutet nicht methacrylatfrei. Es geht darum, bestimmte kurzkettige Komponenten durch andere Materialkonzepte zu ersetzen und die Rezeptur gezielt weiterzuentwickeln.
apt advanced polymer technology
Mit apt advanced polymer technology hat SAREMCO ein eigenes Restaurationssystem entwickelt. Es besteht aus: apt composite apt flow apt unibond. Die Produkte sind laut Hersteller frei von HEMA, TEGDMA und Bis-GMA. Ein zentrales Entwicklungsziel war darüber hinaus eine höhere Stabilität gegenüber enzymatischer Degradation.
SAREMCO gibt für apt eine bis zu zehnfach höhere Degradationsstabilität gegenüber Vergleichsmaterialien an. Das in apt unibond eingesetzte Monomer wurde nach Herstellerangaben gemeinsam mit der Universität Zürich entwickelt.
Warum Degradationsstabilität relevant ist
Dentalmaterialien sind im Mund dauerhaft unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt. Dazu gehören Kauen, Abrasion und chemische Einflüsse, aber auch Enzyme im Speichel. SAREMCO weist darauf hin, dass enzymatische Prozesse die Polymerstruktur schwächen können. Dadurch kann das Material anfälliger für mechanische Degradation werden. Im weiteren Verlauf können Randspalten entstehen, die wiederum die Entstehung von Sekundärkaries begünstigen können. Eine höhere Degradationsstabilität kann daher dazu beitragen, die Materialeigenschaften länger zu erhalten und die Freisetzung von Abbauprodukten zu reduzieren.
Was das für die Praxis bedeutet
Bei der Materialauswahl geht es längst nicht mehr nur um Farbe, Handling oder Festigkeit. Auch die Zusammensetzung und langfristige Stabilität eines Materials können relevante Kriterien sein. Gerade für Praxen, die sich intensiv mit Materialverträglichkeit beschäftigen, kann der gezielte Verzicht auf HEMA und TEGDMA ein zusätzliches Auswahlkriterium darstellen.
Auch beim Arbeitsschutz lohnt sich Aufmerksamkeit: SAREMCO weist darauf hin, dass gängige Handschuhe keinen dauerhaften Schutz vor Methacrylaten bieten und Nitril gegenüber Latex vorzuziehen ist.
Das apt Sortiment im Überblick apt composite
Lichthärtendes, hochgefülltes und röntgenopakes Feinsthybrid-Komposit für Front- und Seitenzahnrestaurationen sowie indirekte Anwendungen.
apt flow
Fließfähiges, röntgenopakes Komposit für kleinere Kavitäten, Fissurenversiegelung, minimalinvasive Präparationstechniken und als erste Schicht bei Klasse-I- und Klasse-II- Restaurationen.
apt unibond
Lichthärtendes 1-Komponenten-Self-Etch-Adhäsiv für direkte und indirekte, lichthärtende Restaurationen auf Kompositbasis.
Fazit
Der interessante Punkt an apt ist nicht allein der Verzicht auf einzelne Monomere. Der Ansatz geht weiter: Materialzusammensetzung, Biokompatibilität und langfristige Stabilität werden zusammen gedacht. Damit verändert sich auch der Blick auf moderne Komposite. Neben Ästhetik, Verarbeitung und mechanischen Eigenschaften rückt zunehmend eine weitere Frage in den Mittelpunkt: Was steckt eigentlich im Material?
Die genannten Produkteigenschaften und Aussagen beruhen auf Unterlagen und Herstellerinformationen der SAREMCO Dental AG sowie auf den dort zitierten Publikationen.