Nach dem Scaling: Warum die Tasche danach Schutz braucht
Nach dem Scaling: Warum die Tasche danach Schutz braucht
Die mechanische Reinigung ist der entscheidende Schritt in der Parodontaltherapie.
Aber sie ist eben nur der erste. Was danach passiert, entscheidet oft darüber, ob sich die Situation wirklich stabilisiert oder ob in einigen Monaten wieder derselbe Befund auf dem Stuhl sitzt.
Die frisch gereinigte Tasche ist offen, das Gewebe ist gereizt, und die Wiederbesiedlung beginnt praktisch sofort.
Genau in dieser Phase setzen lokal applizierte Produkte an. Klassisch war hier lange Zeit die kortisonhaltige Schiene verbreitet, also Präparate, die die Entzündung kurzfristig dämpfen und Symptome kontrollieren. Das hat seine Berechtigung, vor allem bei akuten, schmerzhaften Zuständen.
Es beantwortet aber nicht die Frage, was in den Wochen danach mit der Tasche passiert. Und da sich die Verfügbarkeit einzelner Präparate in diesem Segment aktuell verschoben hat, lohnt ohnehin ein Blick auf Produkte mit einem anderen Ansatz.
Ubigel Inperio, vertrieben über Merz Dental, ist ein solches Produkt. Es ist kein Arzneimittel, sondern ein Medizinprodukt der Klasse IIa, und es enthält kein Kortison. Der Gedanke dahinter ist nicht Entzündungshemmung, sondern auch Schutz und Regeneration.
Nach Herstellerangaben ist es das erste Parodontalgel auf Basis von Spermidin, einem körpereigenen Stoff, der in jeder lebenden Zelle vorkommt, auch im parodontalen Gewebe. Ergänzt wird es durch Natriumalginat, das für die Haftung und die kontrollierte Freisetzung des Spermidins sorgt, sowie durch Natriumhyaluronat mit seinen regenerierenden und entzündungshemmenden Eigenschaften. In der Tasche entsteht daraus eine Art weicher Zement. Der stimuliert laut Hersteller die durch die Entzündung geschädigten Fibroblasten, wirkt mechanisch gegen den Biofilm, versiegelt gegen erneute Bakterienbesiedlung und hält Speisereste draußen, die eine Infektion sonst weiter befeuern würden.
Die Anwendung erfolgt in drei Schritten. Nach der Reinigung der Tasche wird Gel A eingebracht, ein blaues, dünnfließendes Gel, das auch schwer zugängliche Bereiche erreicht, bis es am Gingivarand sichtbar wird. Anschließend versiegelt Gel B, eine rote Calciumchlorid-Lösung, die gefüllte Tasche. Beide Gele vermischen sich und gewinnen fast sofort an Konsistenz. Sterile Einmal-Pastenkanülen liegen bei.
Zwei Hinweise aus der Praxis sind dabei relevant. Der Hersteller empfiehlt ausdrücklich Zahnsteinentfernung und Kürettage vor der Anwendung. Das Gel ersetzt also kein Scaling und Root Planing, sondern baut darauf auf. Und die Versiegelung haftet spürbar besser, wenn die Mukosa trocken ist. Bei feuchtem Arbeitsfeld bleibt sie nur schwer am freien Gingivarand.
Verfügbar ist das Produkt als 0,25-ml-Einzeldosis für eine einzelne Tasche und als 1-ml-Mehrfachdosis, wenn in einer Sitzung mehrere Taschen versorgt werden.
Ob dieser Ansatz ins eigene Protokoll passt, hängt vom Behandlungskonzept ab. Wer die Parodontaltherapie ohnehin stärker regenerativ denkt, findet hier eine Option für die Phase, in der die eigentliche Arbeit schon getan ist und es nur noch darum geht, das Ergebnis zu halten.